Prosuming Culture: Zeit für einen Paradigmenwechsel im Urheberrecht?


Dr. Clemens Appl, LL.M., MMag. Philipp Homar (WU Wien)

Mit der rasanten Entwicklung auf dem Gebiet der Informationstechnologie hat das Thema Urheberrecht den rein rechtswissenschaftlichen Diskurs verlassen und steht nunmehr wie kein anderes Rechtsgebiet im Fokus einer breiten öffentlichen Debatte. Geistige Schöpfungen werden heute überwiegend in digitaler Form verwertet und genutzt. Vor diesem Hintergrund hat sich der sozial-kulturelle Umgang mit geistigen Schöpfungen grundlegend verändert und die klassische Rollenaufteilung in „Produzent“ und „Konsument“ beginnt aufzubrechen. Dies spiegelt sich etwa im Content Sharing, Remixing, Blogging oder neuerdings im 3D-Printing wieder. Damit steht die traditionelle Konzeption des Urheberrechts, die sich historisch bedingt stark an analogen Verwertungs- und Nutzungsformen orientiert, vor neuen rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen. Zahlreiche rezente Beispiele aus der europäischen und nationalen Rechtsprechung belegen, dass das Urheberrecht auf vielfältige Weise den aktuellen technologischen und sozialen Gegebenheiten kaum mehr gerecht wird: Sei es die Möglichkeit des Weiterverkaufs von digital erworbenen Gütern, die immer schwieriger zu erzielende Abgrenzungen der Sphären des Öffentlichen und des Privaten, die Reichweite der Privatkopiebefugnis und der Freistellung temporärer Kopien, die Verantwortlichkeit von Internet-Providern für im Internet begangene Urheberrechtsverletzungen, Hyperlinking im Internet oder die Implementierung effizienter Vergütungssysteme, etwa in Form von Festplattenabgaben. Dieser Workshop widmet sich den Anforderungen an eine effektive und ausbalancierte Urheberrechtsordnung im Zeitalter Digitalisierung. Der Workshop erfolgt im Rahmen des Sparkling-Science Forschungsprojekts „Vom User-Generated-Content zum User Generated Copyright“.

prosuming